„Maximales Vergnügen“, „Abwechslung“ und „Abenteuer“ ist die Lebens-Maxime eines ungereiften Menschen. Schmerz ist ein Gefühl, mit dem die Menschen oft ein ambivalentes Verhältnis haben und dessen Schlüsselrolle den meisten Menschen nicht bewusst ist. Man wird die Erfahrung gemacht haben, dass ein Leben, das sich dagegen stemmt, an die Oberfläche gedrückt wird. Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen der Vermeidung dieses Herzgefühls und der Verflachung des gesamten Bewusstseins. Schmerz ist nicht das Eintrittstor in eine Welt des Leidens, sondern ein Schlüssel, die verflachte Seichtigkeit des Daseins zu verlassen, wenn man ihn einen einzigen Augenblick ohne jeglichen Widerstand annimmt. Genauso wie die Schmerzvermeidung gibt es aber auch das Missverständnis auf der anderen Seite: sich ein Leben lang im Schmerz zu suhlen....was eine träge Sucht darstellt.

 

Schmerz ist ein Empfinden, das der Mensch in den meisten Fällen versucht, um jeden Preis zu vermeiden. Ob auf der körperlichen oder der geistig, emotionalen Ebene- wir versuchen oft, die Kontrolle zu behalten, um Zustände des Schmerzes auszublenden und wenn dieses Empfinden in unser Leben trifft, suchen wir zuerst nach dem Schalter, an dem wir den Schmerz abschalten können (durch Medikamente, durch Ablenkung, durch bestimmte Anwendungen....). Der Schmerz ist ein Schlüssel, der, wenn wir uns ihm bewusst und liebevoll widmen, große Türen öffnen kann. Jedes Mal, wenn das Empfinden von Schmerz auftaucht, ist dies ein Signal, inne zu halten und zunächst nur einmal zu fühlen und dieses Empfinden wirklich in allem Umfang wahrzunehmen und wie ein Zuschauer zu betrachten. Selbst die Gedanken, die im Zusammenhang mit dem Schmerz auftauchen, sind es wert, beobachtet zu werden. 

Im Zustand der neutralen Betrachtung ist es möglich, jedes Urteil und jede Bewertung, ja sogar jede Definition für den Schmerz aufzulösen. Dies sind die Hauptverursacher für den Widerstand, der mit dem Schmerz einhergeht. So wie im vedischen Text beschrieben, treten wir durch das Tor in eine erweiterte Wahrnehmung dessen, was sich hinter dem Mensch Sein verbirgt. Meist geht dies mit deiner tiefen Entspannung einher und oft kann sich ein Schmerz in diesem Zustand wieder lösen. Immer wenn wir Schmerz empfinden, ist dies eine Verdichtung von Energie, die wir auch Widerstand nennen können. Je mehr wir uns erlauben, wirklich durchlässig zu sein, umso mehr wir auch das Empfinden von Schmerz an Ladung und Dramatik verlieren und wir sind wirklich frei. 

Sich im Schmerz zu suhlen, ist eine andere Form von Trägheit und Angst sowie mangelnder Bereitschaft, wirklich weiter zu gehen. Schmerz ist ein Lehrer, den wir manchmal brauchen, um uns selbst zu spüren. Wenn Menschen am Schmerz festhalten, so ist dies oft ein Anker, den sie benutzen, um keine Selbstverantwortung übernehmen zu müssen. In diesem Zustand ist Entspannung kaum möglich. Der Zustand von tamas (Trägheit, Schwere, Dunkelheit) greift um sich und wirkt dann destruktiv und zerstörerisch auf einen Menschen. 

Schmerz kann ein großer Lehrmeister sein, wenn wir uns ihm zuwenden, ihn annehmen, manchmal sogar einladen, uns bei ihm bedanken und ihn behandeln wie einen Freund.