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Ernährung als Hauptgang im Entspannungsmenü

Entspannung als Hauptgang im Ernährungsmenü

 

Als ich im Alter von zwanzig Jahren meine erste Yogastunde hatte, wusste ich noch nicht, dass  Ernährung durchaus ein wichtiger Bestandteil der Yogapraxis ist und sowohl das Was als auch das Wie wichtig sind, um bewusster mit sich selbst und den Ressourcen der Erde umzugehen. Jeder, der sich über längere Zeit mit Yoga beschäftigt, wird früher oder später zwangsläufig mit dem Thema Ernährung konfrontiert werden., da ahimsa (Gewaltfreiheit), das Fundament für die gesamte Übung bildet. 

 

Viele, die sich für eine vegane / rohe Ernährungsform entschieden haben gehen diesen Weg sehr diszipliniert und streng, vielleicht sogar mit Mühe und Anstrengung. Andere geben sich der Freude der Vielfalt hin bei einem roh veganen Fundament. Welche Form auch für jeden einzelnen stimmig ist - eine positive Wirkung wird die Nahrung nur dann entfalten, wenn wir das Ganze ENTSPANNT angehen. Eine Ernährungsumstellung wird, wie alle anderen Vorhaben und Visionen auch, nur dann wirklich funktionieren, wenn wir liebevoll und wertschätzend mit uns und unserer Nahrung umgehen. Yoga gibt uns durch die Qualität von wahrer Entspannungsfähigkeit, einen goldenen Schlüssel für all unsere Heilungsprozesse sowie für ein friedvolles, harmonisches Leben in die Hand.

 

Grundnahrungsmittel Entspannung

Wir alle wissen, dass die physische Nahrung nur einen geringen Teil jener Nahrung ausmacht, die wir wirklich brauchen. Noch größere Energieträger sind ein harmonisches Umfeld, Empathie, gegenseitiges Verständnis…schlicht sich als Mensch getragen, angenommen und geliebt zu wissen. 

Ein bewusster Umgang mit Nahrung oder auch eine Ernährungsumstellung werden um so vieles leichter, wenn wir in unserem Umfeld, also zunächst mal im Kreis der Familie, einen Ruhe- und Kraftpol finden. Aus meinen Familienyogastunden weiß ich, dass in vielen Familien genau diese Ruheoasen fehlen, in denen gleichzeitig die Bindung bestärkt und gefestigt und wieder erneuert wird. 

Warum sollte ein Kind offen für eine von den Eltern vorgegebene „gesunde“ Nahrung sein, wenn das Vertrauen nicht ausreicht und es sonst nur wenig wahre Begegnungspunkte gibt? Gordon Neufeld, ein kanadischer Verhaltenspsychologe, bezieht in keinem seiner Kurse die Ernährung mit ein. Selbst dann nicht, wenn es um die sogenannten schwer erziehbaren Kinder oder ADHS geht. Für ihn ist Bindung das Zentrum in einem gut funktionierenden, harmonischen Miteinander. Ist  dieses Fundament gelegt, fügen sich Ordnung und Familienharmonie ganz automatisch und das selbst mit Lollis, Gummibärchen und Pommes. Eine gute Bindung wiederum ist am ehesten in einem entspannten Zustand gegeben. Wir können so Muster, Überzeugungen, eigene Begrenzungen und Widerstände erkennen, die uns nicht dienen. Die Kunst der Entspannung zu lernen und zu integrieren ist eines der wesentlichsten Ziele des Yoga. In den Yogaschriften heißt es „Yoga ist das zur Ruhe bringen der Gedanken im Geist“ (Yogasutra von Patanjali), was unter anderem auch bedeutet, alle starren Überzeugungen, so also auch in der Ernährung und alle damit verbundenen Urteile loszulassen und aus der Entspannung heraus immer wieder neu aus dem jetzigen Moment heraus entscheiden zu können. 

Unsere ganze Vergangenheit ist auf Verbote aufgebaut anstatt auf Erfahrungen, unseren freien Willen und die Macht der Entscheidung, die aufgrund des eigenen Fühlens getroffen wird. Wenn wir als Familie also einen veganen oder sogar rohen Ernährungsstil anstreben, dann kann dies ein wunderbares Fundament sein, auf dem ein Gebäude steht, welches auch Blumenkästen an den Fenstern hat mit andersartigen Pflanzen, in Form von Nahrungsmitteln die angeblich gar nicht ins Bild passen. 

 

Meine Jungs sind von Anbeginn an mit einem überwiegend veganen Lebensstil und einem großen Anteil Rohkost aufgewachsen. In den ersten drei Jahren hat dies phantastisch funktioniert bis ihre eigene Experimentierfreudigkeit sich erweiterte und durch den Kontakt zu anderen Kindern, Kindergarten und Schule verstärkt wurde. An einem Buffet, was in den meisten Fällen nicht vegan oder gar roh ist und mit herkömmlichem Zucker gesüßt ist, wird ein Kind zunächst nur Nein sagen, wenn nach dem Genuss sein Leben schon mal in Gefahr war. 

Als idealistische Mutter mit durchaus rigiden Anteilen habe ich hier gelernt, entspannte zu bleiben und aus dem „Du darfst nicht!“ ein „Probiere und fühle, wie es Dir geht“ werden zu lassen und dann das Warum zu erklären, was bestimmte Nahrung im Körper auslösen kann. So lernen die Kinder, ihre eigenen Rückschlüsse zu ziehen und selbst zu fühlen, dass beispielsweise nach zu viel Brot oder einem Käse die Nase läuft oder sich ein Husten einstellt.

 

Aber auch ein entspanntes WIE unserer Nahrungsaufnahme ist von Bedeutung. Die beste Rohkostnahrung unter Stress, mit negativen Gedanken und Emotionen zu sich genommen, hemmt die Aufnahme wertvoller Nährstoffe in die Zellen entzieht und kann hochwertige Nahrung sogar verderben oder vergiften. Umso wichtiger ist eine entspannte Atmosphäre beim essen. Diese lässt sich schon durch ein Gebet oder zumindest mit einem Moment der Dankbarkeit und des Innehaltens herbei zaubern. 

 

Entspannung, die Spaß macht 

Am schönsten ist es, wenn wir in der Familie eine gemeinsame Zeit finden, um für einige Minuten bewusst kleine Entspannungsoasen kultivieren, in denen die wohltuende Stille im Inneren für alle zu fühlen ist. 

Kinder mögen die folgenden kleinen Übungen sehr gern und auch für Eltern ist es eine gute Möglichkeit, in dieser kurzen Zeit ganz tiefe Momente der Stille zu geniessen. 

Es reichen fünf bis zehn Minuten täglich, morgens oder abends, vor oder nach einer Mahlzeit, in der Mittagsruhezeit.. wann auch immer es in deinen entsprechenden Tagesablauf am besten zu integrieren ist. Such dir eine der Übungen aus und wenn du merkst, es funktioniert gut, dann nimm gern weitere dazu. Je nach Zustand kann es hilfreich sein, dass sich alle zu Beginn in einen Wackelpudding verwandeln und einmal kräftig durchschütteln und dann besser in die Ruhe zu finden. 

 

Den Ton finden

Optimalerweise verwende eine Klangschale, es sind aber auch alle anderen Töne oder Geräusche möglich

Alle sitzen im Kreis mit geschlossenen Augen, eine Person schlägt die Klangschale an einem beliebigen Ort im Raum an und alle zeigen in die Richtung, aus der sie den Ton gehört haben. (fördert Konzentration und das genaue hinhören und Entspannung durch den Ton der Klangschale)

 

Brahmari Bienensummen

Alle sitzen im Kreis und halten sich an den Händen, optimal mit geschlossenen Augen. Lasst Eure Bienen summen, indem Ihr in einem mmmmmm ausatmet und lasst dabei die Bienen um eine Blüte in der Mitte kreisen, bewegt euch also sanft mit dem Körper in einem Kreis aus dem Becken mit. Eine Person wird bestimmt, die zwischendrin den Impuls gibt, die Richtung zu wechseln. 

 

Wer ist der Langsamste

Im aufrechten Sitz habe alle Personen die Arme nach oben gestreckt. Eine Person schlägt eine Klangschale an und während der Ton zu hören ist, senken alle die Arme ganz langsam ab, so langsam, dass die Arme erst unten angekommen sind, wenn der Ton zu Ende ist. Jeder darf die Klangschale einmal anschlagen. Es eignet sich hier auch ein Windspiel, hier kann der Spieler die Länge der Töne bestimmen. Hier kann es durchaus sein, dass es zwei bis drei Minuten dauert, bis die Arme unten angekommen sind. 

 

Auf den Wellen schaukeln

Alle liegen auf dem Rücken. Auf dem Bauch liegt ein Plüschtier, eine Quietschente, ein Kristall oder irgendein anderer Gegenstand, der an der Bauchdecke noch fühlbar ist. Jeder schaukelt jetzt seinen Gegenstand wie auf einer Welle, indem fünf oder zehn Atemzüge in den Bauch geatmet werden. Einatmen: die Welle geht nach oben, Bauchdecke wölbt sich nach oben, Ausatme: die Welle sinkt ab, Bauchdecke entspannt sich. 

 

Dankbarkeitsritual

Setzt euch voreinander gegenüber und reicht euch die Hände. 

Sagt euch, wofür ihr euch gegenseitig dankbar seid oder auch, was ihr dem/der anderen wünscht für diesen Moment, Tag oder ganz allgemein. 

 

Mögen euch die Wohltat und Wonne der Entspannung als regelmäßiger Genuss begleiten und nähren.

 

Maiana Mareike Riethausen