Ego-Fasten

Fasten begleitet den Menschen seit Anbeginn der Zeit. In der Zeit der Jäger und Sammler war Fasten in Form längerer Nahrungspausen ganz natürlich, denn der Mensch lebte nicht in der kontrollierten und selbstverständlichen Regelmäßigkeit der Mahlzeiten, wie dies heute praktiziert wird. 

Wenn Nahrung da war, wurde sich satt gegessen. Darauf folgten dann auch Zeiten der Reduktion, wo es keine oder kaum Nahrung gab. Hier konnte sich das Verdauungssystem ganz automatisch regenerieren. 

Heutzutage weiß fast jeder um die regenerierende und heilsame Kraft des Fasten, wenn es um Nahrung und die Gesundung des Körpers geht. 

 

Die Reduktion der physischen Nahrungsaufnahme geht jedoch weit über den körperlichen Anteil hinaus. Weise und Gelehrte haben sich bewusst fastend in karge Landschaften wie Wüste oder Berge zurückgezogen, um ihren Geist zu klären und zu weiten, um wahres Wissen zu empfangen, um Antworten auf die drängende Frage nach der Essenz unseres Lebens zu erhalten und so dem Schöpfer ganz nah zu sein. 

 

Der Mensch ist getrieben von Wünschen, die den Geist rastlos umher rasen lassen und unser Erinnerungsvermögen sowie unser wahres Wissen, das aus dem Herzen kommt, verschleiern. Unsere Sinne werden von Sinnesobjekten aller Art gelockt - alle schreien nach Aufmerksamkeit : dass z.B. genau jener Zeitungsartikel wichtig ist zu lesen, um "mitreden" zu können, dass es genau das Auto einer bestimmten Marke sein muss, dass man Yoga in genau dieser Form praktizieren soll, wie man es in der Zeitschrift gelesen hat, dass man alle seine Lebensthemen bis ins Detail auseinandernehmen und therapieren muss...und so vieles mehr. 

In dieser Komplexität sehen wir die Einfachheit nicht mehr, durch die sich so viele Problem einfach ganz lösen würden. 

Unser Geist kann unser größter Freund als auch unser größter Feind sein. Füttern wir unser Ego, indem wir an unseren Wünschen, aber auch an bestimmten Verhaltensweisen oder Überzeugungen fest halten, zerstören wir uns auf Dauer selbst. 

Schaffen wir es, z.B. durch ein bewusstes Reduzieren von physischer und vor allem geistiger Nahrung (Informationen, Umgang mit Medien aber auch viele gesprochene Worte) uns für einige Zeit auf die nichts fordernde Stille zu konzentrieren, werden wir reich beschenkt indem ein tiefes inneres Aufatmen fühlbar wird und sich unser Bewusstseinsspektrum ganz leicht über Widerstände und Begrenzungen hinweg ausdehnt. 

 

Für viele ist es in dieser Zeit fühlbar, dass manche Dinge einfach an Wichtigkeit abnehmen, dass der Wunsch nach Einfachheit und einer wahrhaftigem Leben aus dem Herzen größer wird, dass alles was aus dem Zwang des Verstandes heraus fließt keinen festen Boden mehr hat und nicht mehr wirklich funktionieren mag, dass wir in manchen Verhaltensweisen, denen wir nur noch aus Gewohnheit folgen,  einfach stecken bleiben...

 

Indem wir die Zeitqualität nutzen und Fasten in dem Sinne begreifen und betreiben, unser Echolot des Herzens auszurichten und den Abfall des Egos zu beseitigen, verfeinern wir unser Empfinden enorm und wir können wieder klar erkennen, WAS WIRKLICH wesentlich ist. 

 

Wie Du ganz praktisch das Fasten für Dich nutzen kannst: 

  • schalte das Handy an bestimmten Tagen ganz ab oder nur zu einer festgelegten, verkürzten Zeit ein, behalten auch manche Infos für Dich und verteile sie nicht gleich über WhatsApp 
  • verzichte in erster Linie auf Fernsehen, aber auch auf Filmkonsum, Zeitschriften und Zeitung
  • wenn Du in der Stadt unterwegs bist, lege Dir selbst bewusst ein "Leseverbot" auf (an jeder Ecke kann man irgendetwas lesen..)
  •  lausche auf Dein inneres Bedürfnis (vielleicht magst Du lieber einen stillen Spaziergang machen als in Deine Sportgruppe zu gehen, vielleicht einfach mal nur in den Himmel starren und nix tun....) 
  • achte bei Deiner Nahrung einmal darauf, auf was Du wirklich Appetit hast und ob Du wirklich nur isst, wenn Du Hunger hast
  • reduziere Deine Worte in dieser Zeit- um mit einem nahen Menschen zu kommunizieren, braucht es nicht immer Worte (drück Dich über Gesten aus... eine Umarmung, eine Massage, einfach die Hände oder Füße halten, ein Lächeln, eine Berührung....) 
  • halte in so vielen Momenten wie nur möglich inne und spüre Deinen Atem, atme einige Male ganz tief durch
  • verlangsame Deine Bewegungen, auch im Alltag 

...und geniesse den Frieden, der einkehrt, wenn DU nichts mehr von Dir forderst sondern nur aus dem Herzen im Augenblick lebst. 

 

Maiana Mareike Riethausen